In der neuen Folge von „Bremen, aber gesund“ sprechen Rainer Bensch und Simon Zeimke mit Prof. Heinz Lohmann – Gesundheitsunternehmer, langjähriger Kenner der Krankenhauslandschaft und eine der prägenden Stimmen der Gesundheitswirtschaft in Deutschland.
Das Gespräch dreht sich um eine zentrale Frage: Warum kann Medizin heute so viel wie nie zuvor – während die Strukturen des Gesundheitswesens oft noch wirken wie aus einer anderen Zeit?
Moderne Medizin, alte Organisation
Heinz Lohmann macht gleich zu Beginn deutlich: Die Medizin ist heute leistungsfähiger denn je. Diagnostik ist präziser, Eingriffe sind weniger belastend, Behandlungen stärker individualisiert. Künstliche Intelligenz, digitale Verfahren und minimalinvasive Operationen verändern die Versorgung rasant.
Das Problem liegt für ihn weniger in der Medizin selbst, sondern in der Organisation dahinter. Noch immer sei das System stark geprägt von der alten Trennung zwischen stationärer Versorgung im Krankenhaus und ambulanter Versorgung in der Praxis.
Diese Trennung passt immer weniger zu einer Medizin, die schneller, gezielter und häufiger ambulant arbeiten kann.
Krankenhäuser neu denken
Ein Schwerpunkt der Folge ist die Krankenhausreform. Lohmann warnt davor, die Debatte nur über Schließungen zu führen. Das verunsichere Menschen unnötig.
Stattdessen brauche es eine neue Definition des Krankenhauses: ein Ort, an dem Kranken geholfen wird – aber nicht zwingend immer stationär. Sein Leitgedanke:
So stationär wie nötig, so ambulant wie möglich.
Hochkomplexe Medizin müsse stärker konzentriert werden, damit Qualität, Erfahrung und technische Ausstattung zusammenkommen. Gleichzeitig müsse Grundversorgung stärker dezentral organisiert werden. Das Ziel: bessere Versorgung, nicht weniger Versorgung.
Ambulantisierung als Chance
Ambulantisierung ist für Lohmann kein Sparprogramm, sondern eine Modernisierungschance. Viele Behandlungen, die früher lange Krankenhausaufenthalte erforderten, können heute ambulant oder teilstationär erfolgen.
Dafür brauche es aber passende Finanzierungsregeln. Wer moderne Versorgung ermöglichen will, muss sie auch wirtschaftlich sinnvoll machen. Lohmann kritisiert deshalb den Begriff der „Entökonomisierung“ des Gesundheitswesens deutlich.
Denn Gesundheit kostet Geld. Krankenhäuser, Praxen und Versorger müssen investieren können – in Personal, Technik, Digitalisierung und neue Versorgungsformen. Wirtschaftlichkeit sei kein Gegensatz zu guter Medizin, sondern Voraussetzung dafür.
Mehr Ergebnisqualität statt Strukturdenken
Ein wichtiger Punkt im Gespräch: Das Gesundheitswesen müsse stärker danach fragen, was tatsächlich bei Patientinnen und Patienten ankommt.
Nicht allein Strukturen, Bettenzahlen oder Personalvorgaben sollten entscheidend sein, sondern stärker die Ergebnisqualität. Wo Behandlungen nachweislich bessere Ergebnisse erzielen, sollte sich das auch im System abbilden.
Gerade bei planbaren Eingriffen, etwa in der Endoprothetik, gebe es bereits Daten, die mehr Transparenz und bessere Steuerung ermöglichen könnten.
Patientinnen und Patienten als Gestalter
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Eigenverantwortung. Lohmann beschreibt, dass Patientinnen und Patienten durch die Ambulantisierung automatisch mehr Entscheidungen treffen müssen. Das könne eine Chance sein – wenn das System sie dabei unterstützt.
Digitale Tools, KI-gestützte Informationen und bessere Patientenwege können helfen, Menschen souveräner zu machen. Statt sie im System zu verwalten, müsse man sie stärker befähigen.
Auch Prävention spielt dabei eine zentrale Rolle. Lohmann fordert, Gesundheit nicht nur über Broschüren und Appelle zu vermitteln. Von der Gaming-Industrie könne man lernen, wie Menschen motiviert werden: durch direkte Rückmeldung, sichtbaren Fortschritt und spielerische Anreize.
Mut zur Veränderung
Zum Schluss geht es auch um Kunst, Kreativität und Unternehmertum. Für Heinz Lohmann sind sie wichtige Quellen für Innovation. Gerade die Auseinandersetzung mit experimenteller Gegenwartskunst habe ihn gelehrt, Veränderungen klarer zu sehen und mutiger zu handeln.
Seine Botschaft ist eindeutig: Das Gesundheitswesen darf nicht an alten Strukturen festhalten, wenn sich Medizin, Technik und Gesellschaft längst verändert haben.





