Im Oktober sind in Bremen und Bremerhaven die Bremer Hospiztage. Für uns ein guter Anlass, mal wieder unterwegs zu sein: Für diese Folge von „Bremen, aber gesund!“ haben Rainer Bensch und Simon Zeimke das Hospiz Brücke in Bremen-Walle besucht. Es ist das erste stationäre Hospiz in Bremen, seit 2002 in Betrieb, untergebracht in einer alten Villa.
Zu Gast sind Susanne Behrens, Geschäftsführerin der Bremer Hände gemeinnützige GmbH, Vanessa Weber, Leiterin des Hospiz Brücke, und ihre Stellvertreterin Kerstin Schäfer.
Ein Haus, kein Krankenhaus
Das Hospiz Brücke gehört zur Bremer Hände gGmbH, die bis vor Kurzem als Verein „Zentrale für private Fürsorge“ bekannt war und seit über 125 Jahren in Bremen arbeitet. Neben der Brücke betreibt sie das Hospiz Sirius in Arsten. Inzwischen gibt es in Bremen vier Hospize mit jeweils acht Plätzen.
Vanessa Weber beschreibt, was das Haus ausmacht: Die Villa soll sich wie ein Zuhause anfühlen. Das Team arbeitet in Privatkleidung, es gibt keine feste Tagesstruktur und keine festen Besuchszeiten. Bevor jemand einzieht, besucht das Team den Menschen in der Klinik oder zu Hause und fragt nach Kleinigkeiten wie dem Lieblingsessen. Wer nachts Hunger auf Spiegeleier hat, bekommt sie auch nachts.
Gäste statt Patienten
Für Kerstin Schäfer beginnt die Haltung schon bei der Sprache: Die Menschen im Hospiz Brücke heißen hier Gäste und nicht Patienten. Sie sind schwerstkrank, und ihre Lebenszeit wird in Wochen oder wenigen Monaten gemessen. Oft bringen sie eine hohe Symptomlast mit, etwa Schmerzen, Luftnot, Unruhe, Angst oder Übelkeit. Zu Hause oder in einer normalen Pflegeeinrichtung ist das kaum noch zu begleiten.
Im Hospiz hat das Team die Zeit, sich auf jeden Menschen einzulassen. Dazu gehören Medikamente und Pflege, aber auch Aromaöle, Wickel oder eine gute Einreibung. Der wichtigste Grundsatz lautet: Niemand bleibt allein. Auch über Sterben und Tod wird offen gesprochen, wenn der Gast das möchte.
Auf die Frage, was sich Menschen am Lebensende am meisten wünschen, kommt eine klare Antwort: Ruhe. Dazu kommen möglichst wenig Leid, das Gefühl von Geborgenheit und die Möglichkeit, loszulassen.
Angehörige gehören dazu
Begleitet werden auch die An- und Zugehörigen. Wenn ein Mensch am Lebensende nicht mehr essen mag, ist das für die Familie oft schwer auszuhalten. Das Team erklärt dann, warum der Körper an diesem Punkt nichts mehr braucht – und muss das oft mehr als einmal tun.
Auch nach dem Tod endet die Begleitung nicht sofort. Die Pflegekraft bleibt beim Gast, bis er das Haus verlassen hat. Er verlässt die Brücke in einem Sarg und nicht in einem Leichensack, und das Team begleitet ihn bis zur Tür.
Ein Team, das aufeinander achtet
Die Arbeit im Hospiz ist verantwortungsvoll und belastend. Meist sind die Pflegekräfte allein im Haus, der Arzt ist telefonisch erreichbar. Damit das gelingt, nimmt sich das Team jeden Tag bei der Mittagsübergabe eine halbe Stunde für sich selbst. Dazu kommen regelmäßige Supervision und Kolleginnen, die einspringen, wenn eine Situation zu viel wird. Kerstin Schäfer sagt, sie lasse sich durch ihre Arbeit gern berühren.
Freie Stellen lassen sich noch besetzen, oft mit Pflegekräften aus der Intensivmedizin, die anders arbeiten möchten. Susanne Behrens macht aber deutlich, dass es schwieriger wird: Viele langjährige Mitarbeitende gehen in den nächsten Jahren in Rente.
95 Prozent sind nicht 100 Prozent
Ein wichtiges Thema ist die Finanzierung. Die Krankenkassen tragen nur 95 Prozent der verhandelten Kosten eines Hospizes. Die restlichen fünf Prozent – ein Zwanzigstel – muss jedes Hospiz über Spenden aufbringen. Vorhaltekosten werden nicht durchgängig finanziert, denn Geld fließt nur für belegte Betten. Gleichzeitig bekommen Angehörige nach einem Todesfall bewusst Zeit zum Abschiednehmen. Ausgaben wie Hitzeschutz im Haus müssen ebenfalls aus Spenden bezahlt werden.
Zur Versorgungslage in Bremen fällt die Einschätzung positiv aus. Die Zahl der Hospizbetten hat sich in zehn Jahren auf 32 verdoppelt. Es gibt noch Wartelisten, sie sind aber kürzer geworden.
Was die Politik tun kann
Susanne Behrens wünscht sich eine stabile Finanzierung und eine neue Debatte über die Vorhaltekosten. Sorgen macht ihr außerdem der neue Bundesrahmenvertrag für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). In Bremen arbeiten seit 2009 Ärztinnen und Ärzte der Gesundheit Nord gemeinsam mit Pflegekräften der Bremer Hände im PalliativTeam Bremen. Diese bewährte Zusammenarbeit kennt der neue Vertrag nicht. Sie soll erhalten bleiben.
Bremer Hospiztage im Oktober
Die Bremer Hospiztage werden vom Hospiz- und PalliativVerband Bremen organisiert und richten sich an alle Bremerinnen und Bremer. Das Hospiz Brücke bietet eine Hausführung und einen Letzte-Hilfe-Kurs an. Dort geht es darum, wie man einen Menschen am Lebensende gut begleiten kann. Kerstin Schäfer erzählt außerdem vom „Fest der Lebenden und der Toten“: Angehörige, die im vergangenen Jahr jemanden verloren haben, bringen das Lieblingsessen des Verstorbenen mit, essen gemeinsam und erzählen von ihm.
Ist Hospizarbeit ein Traumberuf? Für das Team der Brücke ist die Antwort ein klares Ja.
Termine im Hospiz Brücke bei den Hospiztagen:
- Do., 8.10.2026, 16 Uhr: „Ein besonderer Ort am Lebensende“ – Informationen und Führung mit Kerstin Schäfer, Lange Reihe 102 (Anmeldung T. 0421 38 02 40)
- Fr., 9.10.2026, 10 Uhr: Letzte-Hilfe-Kurs im Hospiz Brücke (15 €, Anmeldung T. 0421 38 02 40)





